»Der Traum« von Paulo Coelho

Ein König hatte geträumt, dass er alle Zähne verloren hat. Gleich nach dem Erwachen rief er einen Traumdeuter zu sich und fragte nach der Bedeutung des Traumes. „Ach, welch ein Unglück, Herr!“, rief dieser aus. „Jeder verlorene Zahn bedeutet den Verlust eines deiner Angehörigen.“ „Was, du frecher Kerl!“ schrie der König wütend, „wie kannst du es nur wagen, mir so etwas zu sagen? Fort mit dir!“. Und er gab den Befehl, den Mann mit 50 Stockschlägen zu bestrafen. 

Ein anderer Traumdeuter wurde gerufen und vor den König geführt. Als er den Traum erfahren hatte, rief er: „Welch ein Glück! Welch ein großes Glück! Unser Herr wird all die Seinen überleben!“  Da hellte sich die Miene des Königs auf und er sagte: „Ich danke dir, mein Freund. Gehe gleich zu meinem Schatzmeister und lasse dir 50 Goldstücke von ihm geben.“ 

Auf dem Weg dorthin sagte der Diener des Königs zu ihm: „Du hast den Traum des Königs doch nicht anders gedeutet als der erste Traumdeuter!“Mit einem schlauen Lächeln erwiderte der kluge Mann: „Merke dir: Man kann vieles sagen, es kommt nur darauf an, wie man es sagt!“
(Paulo Coelho)

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